Flache Berggipfel und Paläo-Flussläufe - Flat summits and paleo-rivers

Den Bergwanderern bekannt, aber seltsam anmutend, sind die flachen Berggipfel Süd-Korsikas. Es gibt diese Verflachungen auch im Norden, wo sie selten und klein sind. Die Bekannteste findet sich am Mte. Renoso. Die Verflachung wird durch die Gletscher der Eiszeiten zunehmend von den Seiten her zerstört, aber das dauert seine Zeit.
Die spannende Frage zu diesen Verflachungen lautet, wann und wie sie auf dem ungeschichteten kristallinen Untergrund entstanden sind. Die Forschung hat gezeigt, dass die einzelnen Verflachungen im Gipfelniveau Teil einer zusammenhängenden Landschaft waren. Die alte Landschaft aus weit auseinanderstehenden Restbergen und Ebenen wurde wahrscheinlich im Treibhausklima der Kreidezeit gebildet und war die Heimat von Dinosauriern. Im Eozän vor 55-34 Mio. Jahren wurde Korsika kurz vor der alpinen Gebirgsbildung nach Südosten in die Tiefe gezogen und mit Kilometer-mächtigen tiefmarinen Ablagerungen bedeckt. Nach der Gebirgsbildung wurden die Flysch-Ablagerungen 34-24 Mio. Großteils wieder abgetragen und die alte Landschaft wurde wieder freigelegt und verwittert seither, etwa mit 1-2 cm in Tausend Jahren. Verwitterung bedeutet hier, dass aus der Schmelze durch Abkühlung und Schrumpfung entstandene Granit-Würfel im Boden langsam zu immer kleineren rundlichen „Wollsäcken“ verwittern. Weil manche Granitpartien etwas härter sind als andere, sammelt sich das härtere Material in Form von „Felsburgen“ von 200 bis 300 m Höhe an. Solche Hochebenen mit einzelnen Felsburgen sind auf dem Incudine/Cuscione-Plateau, im Forst von l´Ospedale leicht erreichbar. Im abgelegenen Cagna Massiv findet man ein ehemaliges Flussbett, durch die Felsburgen mäandrierend auf einem Plateau, das auf allen Seiten von Abbrüchen umgeben ist. Es ist vermutlich erhalten geblieben, weil vulkanische Tuffe den vor bis 18 Mio. Jahren existierenden Flusslauf im Verlauf der Hebung und Zersplitterung der Hochfläche zeitweilig verfüllten.

Familiar to hikers, still strange, are the flat summits of southern Corsica. They exist also in the north but are less known or small. Most popular is the Mte. Renoso summit flat. This ancient surface is currently destroyed by glaciers of the ice age, but glaciers need some time for their destructive work. The thrilling story here is how and when this hilly flat has formed. Research has shown that it was covered by a km-thick pile of deep water sediments of Eocene age (55-34 Mio. years ago), when Corsica was dragged down during the Alpine orogeny. Just after this burial, the sedimentary cover was eroded in the Oligocene (34-24 Mio. years ago), and the old surface of the former landscape re-appeared. Most likely, the old landscape formed under greenhouse climate conditions of the Cretaceous, and was the home of the dinosaurs. Since the Oligocene, the old re-exhumed granite surface slowly weathered down, by about 1-2 cm in 1000 years. Weathering here means that cubes of granite, which formed during cooling of the melt, are slowly transformed to spheres. Some of them are less weatherable than others, and the “hard stuff” accumulates within millions of years to form rock castles, 200 to 300 m high. Such a landscape is preserved in the south, at the easily accessible Incudine/Cuscione plateau and the forest of l´Ospedale, and the remote Cagna massive. In the latter region, a disrupted plane former river bed, meandering through the rock castles, is preserved. The most reasonable explanation of its preservation is temporary sealing by airborne volcanic tuff 18 Mill. years ago.

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